2. Hammer Gesundheitsmesse „Fit in Hamm“

16. - 17.05.2009, Maximilianpark Hamm

„Wie bleibe ich fit und lebe gesund?“

hieß das Motto der 2. Hammer Gesundheitsmesse „Fit in Hamm“, die in diesem Jahr am 16. und 17. Mai 2009 im Maximilianpark stattfand. Mit Ausstellungen, vielen interessanten Mitmachprogrammen, Vorträgen und Angeboten für alle Altersgruppen lockte die Messe unter dem Zeichen des gläsernen Elefanten zum zentralen Thema Gesundheit.

 

Auch die Cochlear Implant Selbsthilfegruppe Hamm (CI SHG Hamm) informierte in diesem Jahr im Rahmen des „Selbsthilfemarktes“ mit einem eigenen Stand zu den Themen Cochlea-Implantat und Schwerhörigkeit im Alltag und im Beruf.

Bei bestem Besucherwetter herrschte an den beiden Messetagen reger Betrieb und Andrang am Stand der CI SHG Hamm. Wen wundert’s - bei Brat- und Currywurst, Waffeln und Kaffee konnten sich Interessenten zu den Themen CI und Schwerhörigkeit wie auch Passanten nach Herzenslust stärken. Das SHG-eigene Glückrad sorgte für Heiterkeit und Abwechselung. Höhepunkt am Stand war eine spannende Tombola mit hochklassigen Preisen.

Diese hervorragende Mischung aus Information, Spaß und Genuss verhalfen der CI SHG Hamm zu regem Feedback aus den Besucherkreisen. Die Stand-Crew führte diverse Gespräche und konnte an vielerlei Stellen aufklären und Auskunft geben zu Cochlea-Implantaten und dem Thema Schwerhörigkeit allgemein.

Neben allerlei Standaktivitäten konnten sich die Besucher auch im Rahmen von Seminaren und Vorträgen, die in den Forum-Arkaden der Gesundheitsmesse stattfanden, informieren. Die CI SHG Hamm war ebenfalls mit einem Vortrag präsent. Referent Ronald Stein, selbst hochgradig schwerhörig und mit dem Gedanken spielend CI-Träger zu werden, informierte über das Thema „Schwerhörigkeit im Arbeitsleben“ und erläuterte anhand seiner Geschichte Erlebnisse aus dem Berufsalltag, Problematiken, aber insbesondere auch Möglichkeiten, die sich aufgrund des Handicaps einer Schwerhörigkeit ergeben haben. Eine Geschichte, die allen Hörern des Seminars in vielen Fassetten Informatives, Nachdenkliches aber auch etwas zum Schmunzeln gezeigt hat.

Wenn wir ein Fazit ziehen wollten - Für die CI SHG Hamm war die 2. Hammer Gesundheitsmesse ein voller Erfolg. Es zeigt sich, mit Präsenz und Engagement aber auch mit Pfiff, Charme und der richtigen Idee können Informationen wirklich weiter getragen werden. Wir müssen stets darum bemüht sein, die Erfolge und die Erkenntnisse, die wir selbst erfahren haben, mit anderen zu teilen.

 

Bodo Schlenker

Der Umgang mit meiner Hörbehinderung

Seminar der CI-SHG Hamm am 22. November 2008 in den Räumen des EVK Hamm, Audiotherapeuten Peter Dieler und Anja Kehring

Wir Hörbehinderte erleben Einschränkungen im Alltag, im sozialen Miteinander, im kulturellen Leben und oft genug sind wir frustriert oder unzufrieden mit unserer Behinderung.

 

Dieses Seminar gab uns die Möglichkeit unseren Blickwinkel zu verändern. Es half uns, andere Sichtweisen auszutauschen, unterschiedliches Verhalten in ähnlichen Situationen zu erkennen und voneinander zu lernen. Unter Gleichbetroffenen ist das möglich; wir müssen uns nicht entschuldigen, nicht erklären und uns nicht rechtfertigen.

 

Den Einstieg machte Peter mit zwei verschiedenen Fragen: Wann wird dies ein gutes und wann ein schlechtes Seminar? In großer Lockerheit und nicht allzu ernst, konnten wir unsere Kommentare abgeben.

Überhaupt trug die lebensfrohe Art von Peter dazu bei, dass wir uns sehr schnell in der Gruppe wohlfühlten und keine Hemmungen hatten, von unseren Schwierigkeiten im täglichen Leben und im Umgang mit hörenden Menschen zu berichten. Für Anja war die Moderation eine Premiere, die sie mit Bravour bestanden hat.

 

Wie sehen wir uns selber im Alltag und wie glauben wir, sehen uns hörende Menschen? Es gab eine Menge Gesprächsstoff dazu, wobei der Spaß nicht zu kurz kam. Das scheint auch ein Schlüssel für unsere Behinderung zu sein: Das Lachen dürfen wir nicht verlernen. Es tut einfach gut, über Missverständnisse, die zwangsläufig immer wieder auftreten, zu lachen.

In Gruppenarbeit von bis zu 4 Personen suchten wir eine Begebenheit aus, in der wir glaubten, uns nicht richtig verhalten zu haben. Es sollte eine Gelegenheit sein, wo wir uns im Umgang mit unserer Hörbehinderung nicht wohlfühlten. Dann hatten andere Gruppenmitglieder die Aufgabe, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen und gefundene Lösungen zu kommentieren. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht.

 

Das Memory-Spiel, das Anja entwickelte, lehrte uns, verschiedene Ohren mit und ohne CIs oder Hörgeräten kennen zu lernen, wobei es schwer war, sich die die Karten mit den identischen Grafiken zu merken.

 

Ein lustiges Frage- und Antwortspiel zeigte uns, wie oft Hörbehinderte Antworten geben, die so ungefähr passen, aber doch knapp daneben liegen.

 

Wir gehen gut mit Situationen um, wenn unsere Gedanken Mut machen, weil wir dann positive Gefühle entwickeln und daraus sich ein Verhalten ergibt, welches uns zufrieden stellt und zu weiterem positiven Umgang mit der Hörbehinderung veranlasst.

 

In der Schlussrunde gab es viele positive Rückmeldungen. Gerne möchten wir bald ein ähnliches Seminar besuchen. Dieser Tag hat uns alle aufgebaut und den Rücken gestärkt, mit unserer Hörbehinderung zu leben. Danke Peter, danke Anja. Ihr wart einfach toll!!!

 

Last but not least, danke Marlies und danke Rainer für die gute Organisation und die reichhaltige Verpflegung.

 

Margot Kohlhas-Erlei

CI-Collage „Taub und trotzdem hören“ von Bernd Schmelter erstellt

Bernd Schmelter aus Unna, CI-Träger, begleitet seine Frau Marianne nach Boltenhagen. In Boltenhagen wird Interessierten angeboten, unter fachmännischer Leitung Collagen anzufertigen. Marianne Schmelter leidet unter dem Usher-Syndrom, ist fast blind und hörbehindert. Beide können es selbst kaum fassen, wie leicht ihnen die Kreativität von der Hand geht.

 

Entstanden ist das Projekt in Berlin, als der dortige Blindenverband nach einer besonderen Beschäftigungsmöglichkeit für seine Mitglieder suchte. Die in Collage-Technik gefertigten Kunstwerke zeichnen sich durch phantasievolle Vielgestaltigkeit in Thema, Farbe und Form aus. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen zu helfen und durch künstlerische Arbeit ihre Fähigkeiten und Talente zu aktivieren. Bundesweit anerkannt sind die Verdienste des Vereins um die Arbeit mit blinden oder geistig behinderten Menschen.

 

Betreut wird dieses Projekt vom Kreativzentrum für Frauen Treptow/Köpenick. Helga Krause, Vereinsvorsitzende, ist mit Alice Strahl, Erika Bütow und Margot Wolff aus der Hauptstadt angereist, um an der Ostsee Blinde und Sehbehinderte mit der Collage, einer Technik der bildenden Kunst, vertraut zu machen.

 

Die Kursteilnehmer greifen gerne zu maritimen Dingen, die sie mit dem Aufenthalt an der Küste verbinden. Sie finden es „ganz prima“, dass jederzeit helfende Hände zur Verfügung stehen. „Wir setzen nur die Ideen der Teilnehmer um“, erwidert Margot Wolff, die von der Selbstständigkeit der Hobbykünstler begeistert ist.

 

„Taub und trotzdem Hören“ heißt der Titel einer Collage, die Bernd Schmelter erstellt hat und ist eine Anspielung auf sein Gehör, das seit seiner Jugend sehr schlecht gewesen ist und später dann völlig verloren ging. Ein Cochlea Implantat (kurz CI) hat es ihm aber ermöglicht, das Gehör wieder zu bekommen. Und genau das erzählt sein Kunstwerk, das er vorwiegend aus metallischen Materialien zusammengesetzt hat.

 

Die künstlerischen Ergebnisse können sich sehen lassen und werden in Ausstellungen gezeigt. In Boltenhagen kann man sie im Aura-Hotel bewundern, der Begegnungsstätte für Blinde und Sehbehinderte in M-V.

Marlies Wulf

Berliner Luft!

20 Jahre DCIG würdig begangen!

„Es gibt keinen Fortschritt, wenn die Menschen kein Vertrauen in die Zukunft haben.“

Hinfahrt Hamm - Berlin, v.l.: Franz Poggel, Michael Stötzel, Rainer Wulf

Freitag, 14.09.

 

4.00 Uhr, der Wecker reißt uns aus dem Schlaf.

5.30 Uhr fährt das Sammeltaxi vor und bringt Elvira und Klaus Mager, Franz Poggel, Michael Stötzel sowie Rainer und mich zum Hauptbahnhof. Drei Stunden Bahnfahrt vergehen durch Vorfreude auf das vor uns liegenden Symposium wie im Flug.

9.08 Uhr planmäßige Ankunft in Berlin.

Fachausstellung, v.l.: Klaus Mager, Ebba Morgner-Thomas, Elvira Mager, Leo Tellers, Marlies Wulf

Obwohl unsere Füße an diesem Tag stark strapaziert wurden, haben wir eine Besichtigung im Reichstag als absolutes Muss angesehen und somit unternommen. Unter fachkundiger und zugleich witziger Leitung wurden wir durch das riesige Gebäude geschleust und haben so manche Anekdote erfahren können.

 

Im Estrel, dem größten Convention- Entertainment- und Hotel-Komplex Europas, ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen und haben noch viele weitere CI-Träger dort angetroffen.

 

 

Samstag, 15.09.

v.l.: Rainer Wulf, Prof. Dr. Dr. Dr. Ernst Lehnhardt, Elvira Mager, Franz Poggel

Nach der Eröffnung und Begrüßung der Fachausstellung durch den Präsidenten der DCIG, Franz Hermann, erfolgte der musikalische Auftakt mit Carmen Fuggis und Jonathan Seers.

v.l.: Elvira Mager, Prof. Jim Patrick aus Australien, Franz Poggel, Rainer Wulf

Mentor Prof. Dr. Dr. Dr. Ernst Lehnhardt erläuterte zunächst die Historie der CI-Versorgung. Mit einem Zitat von John F. Kennedy „Es gibt keinen Fortschritt, wenn die Menschen kein Vertrauen in die Zukunft haben“ - würdigte er auch die Pioniere, die genau dieses Vertrauen in die Zukunft des CI gesetzt haben.

Während des Festabends Ingrid Dömkes und Leo Tellers

Mit den Worten von Albert Einstein „Es gibt keine große Entdeckung und keinen Fortschritt, so lange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt“ wurde auf das Symposium übergeleitet.

 

Prof. Jim Patrick war eigens aus Australien angereist, um der DCIG zu dessen Jubiläum zu gratulieren. Patricks Vortrag war eine Mischung aus fachlicher Kompetenz gewürzt mit einigen witzigen Anekdoten.

 

Rück- bzw. Vorschau fand statt aus medizinischer, statistischer und emotionaler Sicht. Viele professionelle Redner bis hin zu selbst Betroffenen trugen mit Ihren Referaten zu einem guten Gelingen bei und kamen zu dem Ergebnis, das ein Betreuungsnetzwerk von großer Bedeutung ist und stetig weiter ausgebaut werden muss.

 

Hanna und Franz Hermann wurden auf vielseitige Weise geehrt und ihr ehrenamtliches Engagement lobend erwähnt.

 

Während der Pausen bot sich im Vorraum die Möglichkeit, Aussteller und Sponsoren an den gut frequentierten Ständen aufzusuchen. Darüber hinaus präsentierten sich die Firmen Cochlear und MED-EL während des Lunchsymposiums zusätzlich in einem separatem Raum. Gegen 17.15 Uhr endete der erste Tag des Symposiums.

 

Der Festabend

 

Beeindruckend war zu Beginn des Festabends die Selbstdarstellung der CI-Jugend mit den Moderatoren Anna Stangl und Alexander Becker. Der Zusammenhalt, die Lebensfreude und das Miteinander spiegelten sich beim Auftritt dieser Jugendlichen wider. Welche Möglichkeiten das CI diesen Jugendlichen eröffnete bedarf wohl keines weiteren Kommentars.

 

Eine wirklich gut gelungene Darbietung im Zeitraffer 1987 – 2007 wurde mit einer anschließenden PowerPoint-Präsentation abgerundet. Unter den Darstellern befand sich auch Tobias Fischer, der von Prof. Lehnhardt europaweit als erstes deutsches Kind – mittlerweile auch bilateral – mit einem CI versorgt wurde.

 

Die Band „Berliner Salonorchester“ bildete den musikalischen Hintergrund bei dem Drei-Gänge-Menü, welches für Augen und Gaumen ein Wohlgenuss war.

 

Davor sorgte der Künstler JOMI (JOsef MIchael) mit seiner Pantomime für Kurzweile. JOMI ist von Geburt an gehörlos und inzwischen selbst CI-Träger. JOMIs Kunst liegt nicht nur in der Präzision der Darstellung, sondern darin, dass er die unterschiedlichsten Personnagen im wahrsten Sinne des Wortes „beseelt“. So zieht der Künstler immer wieder aufs Neue den Zuschauer in seinen Bann.

 

Zum Tanz spielte das „Berliner Salonorchester“ mit einem Medley von 1920 – 1960 auf und präsentierte später auch Musik der 70er Jahre. Das Parkett füllte sich schnell und auch hier fiel wieder die CI-Jugend positiv auf, die sich nach den Klängen der Musik verzückt bewegte. So mancher CI-Kritiker hätte sich hierbei eines Besseren belehren können – Fortschritt ist nur möglich, wenn man gegen intelligente Regeln verstößt.

Sonntag, 16.09.

 

Mit einer gemeinsamen Morgenandacht hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, den 2. Symposiumstag zu beginnen. Über die Zuverlässigkeit von Cochlea-Implantaten, Nutzen zweier CIs für Kinder und Jugendliche bis zur Schilderung eines CI-Kindes reichte an diesem Tage das Spektrum der Referenten. Marlies Herzogenrath berichtete zum Ende der Veranstaltung über die Erfolgsgeschichte der DCIG und nach den Abschlussworten durch Franz Hermann endete die Veranstaltung gegen 12.45 Uhr.

 

Rahmenprogramm

 

Direkt im Anschluss hatten wir die Möglichkeit mit einer historischen Stadtrundfahrt mit dem Schiff, einer Fahrt mit der gläsernen S-Bahn und der Besichtigung des Reichstags die Tage in Berlin ausklingen zu lassen.

 

Das Symposium 2007 hat neue Erkenntnisse gebracht und unser Wissen über das CI vertieft. Zudem hatten wir die Möglichkeit, interessante nette Menschen kennen zu lernen und bestehende Kontakte und Freundschaften zu pflegen und zu vertiefen.

 

So Gott will, sind wir zum 25-jährigen Jubiläum wieder dabei und schnuppern erneut Berliner Luft.

 

Marlies Wulf 09/2007

CI-SHG Hamm besitzt nun eigenes Glücksrad

In Eigenleistung setzte unser Mitglied Andreas Witteler unseren langgehegten Wunsch nach einem eigenen Glücksrad in die Realität um.

”Das Design entstand im Kopf und auf dem Zeichenbrett – die technische Umsetzung dann in Handarbeit“, so Andreas Witteler.

 

Nun können wir während unserer Öffentlichkeitsarbeit „Bewegung“ am Stand zeigen. Gleichzeitig entstehen mehr Möglichkeiten, um mit interessierten Menschen in Kontakt zu treten. Denn, dass ein Glücksrad zu einem Publikumsmagnet würde, hatten wir schon häufiger erfahren dürfen.

 

Es gestaltete sich jedoch immer sehr aufwändig, leihweise eines zu bekommen. Auch der Transport der doch recht großen Räder war für uns als Initiatoren oft schwierig.

 

Jetzt sind wir in der glücklichen Lage, auf unser eigenes, auf die Bedürfnisse unserer SHG maßgeschneidertes Glücksrad, zurück zu greifen. “Dies stellt eine erhebliche organisatorische Entlastung für uns da”, so Rainer Wulf.

 

Am 18. August 2007 war es dann endlich soweit und wir konnten „unser Glücksrad“ entgegennehmen. Die Übergabe fand in Iserlohn statt. Wir, die Initiatoren der CI-SHG Hamm, sagen unseren herzlichen Dank.

 

Gleichzeitig gilt unser Dank auch allen unseren Mitgliedern, ohne deren aktive Mitwirkung wir uns nicht so stark engagieren könnten.

 

20. August 2007

Marlies Wulf

Kaiserberg-Klinik, Bad Nauheim

Deutliche Hörverbesserung durch kompetente Arbeit und Betreuung während der Rehamaßnahme

Gute Chancen, dass das Krankheitsbild Hörbehinderung in den Leistungskatalog Rehabilitationsmaßnahmen der Deutschen Rentenversicherung flächendeckend mit aufgenommen wird!

Endlich war es soweit, die ersehnte Reha in der Kaiserberg-Klinik konnte angetreten wer-den. Die Koffer wurden verstaut und direkt nach dem Frühstück fuhren wir los. Vielerorts waren die Auswirkungen von »Kyrill« zu beobachten. Wo es einst dichte Baumbestände gab, steht heute teilweise nichts mehr. Derartige Schäden sind in unserer Region nicht so massiv zu beklagen. Es ist schon recht erschreckend anzusehen, was Naturgewalt alles anrichten kann.

 

Die Autobahn war frei und nach 2 ½ Stunden Fahrt erreichten wir Bad Nauheim. Das Sole-Thermalbad am Taunus, bietet eine einzigartige Kombination aus Parklandschaften mit Rosenfeldern und Weinbergen, Jugendstilgebäuden und Gradierbauten. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Sprudelhof – das »Badeschloss der Kaiserinnen und Könige« – und größte geschlossene Jugendstilanlage Europas. Bei einem Bummel durch die Fußgängerzone mit Geschäften, Bars und Cafés darf ebenso der Besuch der Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert nicht fehlen.

Bad Nauheim zählt zu den weltweit führenden Herzzentren und blickt auf eine lange me-dizinische Vergangenheit zurück. Im Laufe der Zeit wurde das Behandlungsspektrum immer größer. Heute können in den 14 Kliniken Bad Nauheims neben Herz- und Kreislaufbeschwerden auch neurologische Erkrankungen, orthopädische und rheumatische Leiden sowie Diabetes und Parkinson behandelt werden. Im letzten Jahr konnte mit der Fachabteilung für Hörstörungen, Tinnitus und Schwindel (kurz HTS) an der Kaiserbergklinik dieses breite Spektrum nochmals ausgedehnt werden. Ein weiterer wichtiger Schwer-punkt dieser Abteilung liegt bei der Rehabilitation von Cochlear Implant Patienten. Für die ärztliche Leitung der Abteilung HTS konnte Dr. med. Roland Zeh – Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin – gewonnen werden.

 

Speziell für hochgradig schwerhörige und ertaubte Erwachsene bietet die Kaiserbergklinik neben ihrem umfangreichen Reha-Angebot CI-Entscheidungsfindungs-Seminare an. Es geht um die Frage: »Cochlear Implant, ja oder nein?«

Anhand einer kompletten Vordiagnostik mit Hörtests, Prüfung des Kommunikationsstatus und der Funktionsfähigkeit des Hörnerven wird den Seminarteilnehmern aufzeigt, ob ein CI überhaupt infrage kommt. In pädagogischen und ärztlichen Gesprächen wird analysiert, ob es in die persönliche Lebenssituation des Hörgeschädigten passt oder ob es »ohne« nicht doch besser geht.

 

Idealerweise haben die Seminarteilnehmer zudem die Möglichkeit, auf die CI-Rehabilitanden innerhalb der Kaiserberg-Klinik zuzugehen, Fragen zu stellen und sich bei anderen Betroffenen über das CI zu informieren. Diese Möglichkeit wurde von den CI-Kandidaten auch bei uns intensiv genutzt.

 

Quartalsmäßig gehört das CI-Seminar zum Standardprogramm. Die nächsten Seminare sind für die Wochenenden vom 31.05. – 03.06.2007, 06.09. – 09.09.2007 und 29.11. – 02.12.2007 terminiert.

Die Reha

 

Der Rentenversicherungsträger hatte meinem Mann Rainer in der Kaiserberg-Klinik ein stationäres medizinisches Heilverfahren bewilligt. Es galt, sein vorhandenes Potenzial des Hörens mit CI weiter zu optimieren. Ich habe ihn begleitet. Unser Doppelzimmer war nicht nur gemütlich, sondern auch speziell für die Bedürfnisse Hörgeschädigter neu ein-gerichtet. Vorhanden waren eine Lichtsignalanlage für die Türklingel, ein Licht-/Vibrationswecker, die Alarmanlage mit optischen Signalen, ein Telefon für Hörgeschädig-te, der Übungscomputer für das eigenständige Hörtraining, ein CD-Player sowie TV mit Infrarot-Übertragungsanlage. Hier konnte man sich wohlfühlen!

 

Die Aufnahmeuntersuchung fand angenehm ohne jedwede Hetze und Hektik durch Stati-onsärztin Frau Dr. v. Thienen statt. Dabei wurden auch gemeinsam die einzelnen Thera-pien festgelegt. Ein anschließender Orientierungsgang durch die Klinik und ein Stadtbummel mit Kaffeegenuss schloss sich an. Rechtzeitig zum Abendessen trafen wir – leicht pustend – wieder in der Klinik ein. Gelegen am »Kaiserberg« ist nach einem ausgiebigen Stadtbummel natürlich ein »Höhenunterschied« zu bewältigen. Oder wog der Kaffee so viel?

Der Terminplan war sehr vielfältig und auf die individuellen hörtechnischen- und physi-schen Probleme abgestimmt. Primäres Therapieziel war jedoch die Verbesserung des Sprachverstehens und das angenehme Hören mit dem CI. Dieses sollte durch gezieltes Training in Einzel- und Gruppentherapien optimiert werden. Und das wurde es auch …

 

… »learning bei doing?!« In der Tat! Ein neuer Patient – Urbayer mit starkem Dialekt - ließ dieses Sprichwort greifen und forderte die ganze Aufmerksamkeit der CI-Träger. Selbst als »Normalhörender« musste man schon höllisch aufpassen, um alles mitzubekommen. Während dieser bayrisch-deutschen Kommunikation haben wir viel gelacht, viele Missverständnisse aufgeklärt und Freundschaften geschlossen.

»(Kur-)schattig« ging es während unseres Aufenthaltes natürlich auch zu. So manches Mal musste ich mir ein lautes Prusten verkneifen, so auch gleich in der ersten Woche unserer Anwesenheit. Schlaftrunken standen wir früh morgens beide im Türrahmen unseres Doppelzimmers, auf dem Weg zum Schwimmbad … Verschmitzt nickend wurde uns von einem Mitpatienten ein Auge zugezwinkert, als toleriere er wohlwollend unser Handeln! … Was muss wohl in seinem Kopf herumgegeistert sein?

 

Ein weiteres Schmunzeln wurde uns abverlangt, als uns während der ersten Chefvisite »alte Bekannte« aus der Baumrainklinik begrüßten. Dr. Zeh und sein »altes« Team stell-te uns dem »neuen« Ärzte- und Therapeutenteam als ehemalige Patienten der Baumrainklinik vor und freute sich, dass wir jetzt seine Dienste in Bad Nauheim in Anspruch nehmen wollten.

 

Bei der Diagnostik und den therapeutischen Anwendungen war stets ein reibungsloser Ablauf gewährleistet. Diese Anwendungen standen vor Freizeitaktivitäten und sonstigen Veranstaltungen.

 

Das Hauptziel meines Mannes – die kommunikativen Fähigkeiten mit einer weiterführenden, intensiven Förderung des Sprachverstehens weiter auszubauen – wurde während der 5-wöchigen Rehabilitation in der Kaiserberg-Klinik erreicht. Eine optimierte und ver-feinerte CI-Einstellung sowie das intensive Hörtraining machten gute Erfolge möglich.

Aufruf an Sie als Leser

 

Der Zufall wollte es, dass eine Ärztin der Deutschen Rentenversicherung Bund als Patientin mit an unserem Tisch saß. Seit kurzem ist sie selbst mit dem Thema Hörverlust konfrontiert und hat dadurch einen ganz anderen Bezug zu diesem Krankheitsbild bekommen. Das Cochlear Implant war ihr durch Beruf und Recherchen im Internet zwar nicht fremd, jedoch war es für sie sehr beeindruckend, CI-Trägern im (Reha-)Alltag über die Schulter sehen zu können. Unsere Informationen über die DCIG und die HCIG weckten großes Interesse und die mitgebrachten »Schnecken« und »ciimpulse« taten ein Weite-res. Im Gegenzug sind wir ihr sehr dankbar für die vielen Tipps und Anregungen bezüg-lich dem Handling zur Reha. Diese wertvollen Hinweise wollen wir in Zukunft an unsere Gruppe und an Interessierte weitergegeben. Besonders gefreut hat es uns, als bei der Abreise für sie feststand, dass auch sie sich zukünftig im Selbsthilfebereich engagieren will.

 

An der Stelle ein dringender Appell an alle hochgradig Schwerhörigen bzw. CI-Träger, denen die Rehamaßnahme in der Kaiserberg-Klinik zu guten Erfolgen verholfen hat: Teilen Sie dies bitte unbedingt der:

 

Deutschen Rentenversicherung Bund

Dezernat 8022 Häuserbetreuung

10704 Berlin

 

schriftlich mit.

 

Durch Ihr persönliches Engagement bestehen gute Chancen, dass das Krankheitsbild Hörschädigung in den Leistungskatalog der Rehabilitationsmaßnahmen der Deutschen Rentenversicherung flächendeckend mit aufgenommen wird. Die Möglichkeit, öffentlich auf einen wichtigen Bedarf hinzuweisen, sollte nicht ungenutzt bleiben!

Freizeitmöglichkeiten

 

Neben den Freizeitangeboten der Klinik nutzten wir erholsame Spaziergängen durch die Natur in und um Bad Nauheim. Weitläufige Parkanlagen, die unmittelbar an die Innen-stadt angrenzen, luden zum ausgiebigen Flanieren und zum Genießen ein. Während einer Rast auf den vielen Parkbänken konnten wir die sprudelnden Brunnen, die Architektur der mondänen Kuranlagen und den faszinierenden Skulpturenpark betrachten.

Als weiteres kulturelles und geschichtliches Highlight der Stadt »spürt« man Elvis – the King of Rock´n´ Roll. Als dieser am 1. Oktober 1958 nach Deutschland kam, um seinen Militärdienst in der US-Kaserne Ray Barracks im benachbarten Friedberg abzuleisten, machte er Bad Nauheim zu seinem »European home«.

 

Zunächst residierte der Clan um Vater Vernon und Großmutter Minnie Mae sowie den beiden Bodyguards im ehemaligen Hilberts Parkhotel. Nach wenigen Tagen zogen sie weiter ins »Hotel Grunewald«, oberhalb des Kurparks. Bis Februar 1959 bewohnte Elvis dort das Zimmer Nr. 10. Ein Tipp für Fans: Das Zimmer ist buchbar mit der Ausstattung von 1959! Richtig wohl fühlte sich Elvis jedoch in der Goethestraße 14. Im Keller ent-stand das legendäre Bad Nauheim Medley. Am 2. März 1960 verließ Elvis Presley die Stadt und kehrte in die USA zurück.

Auch das Wiener Kaffeehaus – ein Geheimtipp hinter vorgehaltener Hand – ist ein unbe-dingtes Muss, wenn man in Bad Nauheim verweilt. Beim Betreten fühlt man sich in das 19. Jahrhundert zurückversetzt, so als wäre die Zeit stehen geblieben. Das »altmodische Mobiliar« lädt zum Verweilen ein, angenehme Hintergrundmusik rundet die Gemütlichkeit ab. Verschiedenste Variationen von Kaffee- und Teezubereitungen lassen das Genießer-herz höher schlagen … und wenn man sich ganz sicher ist, dass die Diätassistentin der Kaiserberg-Klinik außer Reichweite ist, dann kann man auch ungeniert am erstaunlich mannigfaltigen Kuchenbüfett »zuschlagen«.

Schlussworte

 

Nach Beendigung der Reha können wir reflektieren, dass der Slogan der Kaiserberg-Klinik »Menschlichkeit und Kompetenz« voll greift. Durch die hochwertige, abteilungsübergrei-fende medizinische und psychologische Betreuung wird der Patient optimal versorgt. Wir haben uns wohl gefühlt und wollen die Leistungen der Fachabteilung HTS gerne weiter empfehlen.

 

Marlies und Rainer Wulf

2007-03

Aus alt mach´neu!

DuPonts Ruheständler überreichen reparierte PCs

an Hammer Organisationen und Vereine

Cochlear Implant Selbsthilfegruppe Hamm ist eine der Nutznießer

Hamm gehört dazu!

 

 

AGE „Agentur für gesellschaftliches Engagement“ sponsert der CI-SHG Hamm Rechner, Bildschirm, Tastatur und Maus.

 

Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass die Übergabe mit der Schenkungsvereinbarung recht zügig von statten geht, aber der Moment der Geschenkübergabe wurde ein wenig hinausgezögert.

 

Das fühlte sich fast schon an wie Heiligabend, was da am Montagnachmittag – 13.11.2006 – in einem der Konferenzräume des DuPont-Werkes über die Bühne ging: Teller mit Plätzchen auf den Tischen, eine heiter-gespannte Stille in der Luft und hastig gemurmelte Entschuldigungen der Zuspätkommenden. Auf den roten Mantel und Rauschebart hatte Uwe Wehrs, zentraler Leiter aller AGE-Gruppen dann aber doch verzichtet.

 

In Form einer Multimedia-Präsentation wurde den rund 20 Gästen zunächst einmal DuPonts Firmengeschichte- und –philosophie näher gebracht und die Arbeit der Agentur für gesellschaftliches Engagement vorgestellt, in die sich einige Rüheständler des Chemie-Unternehmens einbringen. Das Leitmotiv der AGE lautet: ”Wer eine Arbeit hinter sich hat, soll eine Aufgabe vor sich haben”

Horst Opaschowski (*1941)

 

Zum dritten Mal hat das achtköpfige DuPont-PC-Team ausgediente Firmencomputer wieder flott gemacht. Ein Jahr hat es gedauert, bis sie unter Leitung von Rolf Lehman und Alwin Vogel eine kleine funktionstüchtige PC-Armada um sich versammelt hatten. Und die überreichte Uwe Wehrs nun feierlich den Vertretern ausgewählter Organisationen und Einrichtungen. Auch wir von der Cochlear Implant Selbsthilfegruppe Hamm sind Nutznießer dieser nachahmenswerten Aktion. An dieser Stelle noch einmal unseren ganz herzlichen Dank an die Initiatoren und die Firma DuPont.

 

Was steckt hinter AGE?

Die Agentur AGE wurde 2001 von ihren Trägern Arbeit und Leben DGB/VHS NW e.V. und der Stadt Hamm/Volkshochschule ins Leben gerufen.

Die Aufgabe der Mitarbeiter von AGE ist es, vor allem Menschen, die sich in der Übergangsphase zwischen Beruf und „Ruhestand" befinden, bei ihren ehrenamtlichen Aktivitäten in und mit Unternehmen zu fördern. Damit verbindet AGE persönliche Interessen und Bedürfnisse älterer Menschen mit sinnvollem gesellschaftlichem Engagement. Zugleich unterstützt AGE Unternehmen bei der Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben im Sinne eines Corporate Citizenship.

 

Die Agentur

Projektleitung und Verwaltung der Agentur AGE werden von zwei Mitarbeiterinnen getragen; die konkreten Leitlinien für das Projekt erarbeitet eine fünfköpfige Lenkungsgruppe mit Mitgliedern aus den Trägerorganisationen "Arbeit und Leben" und "Volkshochschule Hamm" sowie der Projektleitung. Führende Persönlichkeiten aus Unternehmen und öffentlichen Institutionen bilden einen Beirat, der der Agentur beratend und unterstützend zur Seite steht.

 

Förderung

Das Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie NRW finanziert AGE bereits über einen zweiten Förderzeitraum; d. h. im augenblicklich vierten Jahr. Über diese Förderung hinaus stehen Eigenmittel der Träger sowie Mittel der bereits beteiligten Unternehmen zur Verfügung.

 

www.aulnrw.de

 

2006-11

Marlies Wulf

Behindertenbeiratsitzung der Stadt Hamm

Vorstellung der CI-SHG Hamm

 

Auf Einladung von Frau Monika Dirks, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Hamm, haben mein Mann und ich unsere Cochlear Implant-Selbsthilfegruppe während der Behindertenbeiratssitzung der Stadt Hamm vorgestellt.

 

Anwesend waren sechs Personen, die vom Rat der Stadt Hamm bestimmt wurden.

Dazu zählten je ein Mitglied der in der Hammer Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtsverbände vertretenen Organisationen, je ein Vertreter des Sozialverbandes Deutschland, des VdK und des DGB, Sprecher des Arbeitskreises für Behinderte und ein Vertreter des Seniorenbeirats der Stadt Hamm. Weiterhin sechs Vertreter von Behindertenorganisationen, die dem Arbeitskreis für Behinderte angehören und von diesem vorgeschlagen wurden.

 

Als Gäste nahmen ein Mitarbeiter der von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und wir, das Ehepaar Wulf, teil.

 

Dreißig Infobroschüren wurden kurzfristig von uns vorbereitet und über 200 Kopien erstellt. Uns war im Vorfeld nicht bewusst, dass so viel Material vor Ort benötigt werden würde.

 

Die Themen zu Anfang waren eher trocken und lösten bei einigen Anwesenden Desinteresse aus.

 

Die Schilderung der persönlichen „Krankheitsgeschichte“ meines Mannes in Bezug auf seine Ertaubung weckte hingegen großes Interesse, Aufmerksamkeit und gespitzte Ohren. Hilfreich bei der Präsentation war die Möglichkeit, das CI zeigen zu können. So konnte sich jeder ein ungefähres Bild der Grunderkrankung und der Funktionsweiseweise des Cochlear Implants machen. Anschließend habe ich ausführlich unsere Beweggründe zur Gründung CI-SHG Hamm vorgetragen sowie die Ziele unserer Gruppe aufgezeigt.

 

Ich war dabei recht nervös und habe von dem Umfeld gar nicht so viel wahrgenommen. Mein Mann hat sich im Nachhinein noch köstlich amüsiert. Die anwesenden Teilnehmer hatten die Darstellung teilweise mit „offenen Mündern“ und Sprechblasen mit riesigen Fragezeichen“ verfolgt. Das hat super eingeschlagen.

 

Gleich am nächsten Tag erhielten wir von Frau Monika Dirks eine E-Mail, dass ein Mitarbeiter vom Berufsförderungswerk Hamm die Vorstellung im Behindertenbeirat genau verfolgt und sie anschließend darauf angesprochen hat. Die Hörgeräteakustiker im Berufsförderungswerk sind daraufhin über unsere Gruppe und das CI informiert worden. Allein diese Gegebenheit hat unsere „Gastrolle“ bei der Behindertenbeiratssitzung mehr als ausreichend entlohnt. Für diese erfreuliche Resonanz nehmen wir uns gerne Zeit und „schweißtreibende Vorstellrunden“ in Kauf.

 

2006-06

Marlies Wulf

Die Initiatoren Rainer und Marlies Wulf während der Messe

Gesundheit zum Anfassen

5500 Besucher bei der Premiere der Gesundheitsmesse im Maxipark

CI-SHG Hamm war dabei

Hamm gehört dazu!

 

 

Unter dem Motto „Gesund leben in Hamm“ fand vom 12. – 14. Mai 2006 eine Gesundheitsmesse im Maximilianpark, kurz Maxipark, statt.

 

Sie ist ein Projekt des neu gegründeten Vereins „Gesundheitsstandort Hamm e.V.“ in Zusammenarbeit mit dem Maxipark. Der „Gesundheitsstandort Hamm e.V.“ ist ein Forum für Fachinformationen und Produktpräsentationen rund um Gesundheit für Körper, Seele und Geist.

 

Über 100 Aussteller, darunter lokale Einrichtungen aus den Bereichen Gesundheit, Vorsorge, Fitness & Wellness, Sport, Rehabilitation und Ernährung, präsentierten sich mit vielseitigen Angeboten. Das Repertoire reichte von Präventivleistungen über Wohlfühlprogramme bis hin zu Akutbehandlungen und wurde umrahmt von 34 Selbsthilfegruppen u.a. der CI-SHG Hamm, die ihre vielfältigen Programme und Angebote auf dem Weg vom Haupteingang bis zum Glaselefanten im Rahmen von Marktständen präsentieren konnten.

Die ersten Besucher informieren sich!

Obwohl in Hamm zeitgleich an diesem Wochenende mehrere Aktionen stattfanden und zudem auch am Sonntag noch Muttertag begangen wurde, war die Resonanz mehr als nur zufriedenstellend. Fast 6.000 Besucher fanden den Weg zur Messe, um an Gesundheits-Checks, Fachvorträgen, Vorführungen und Mitmach-Aktionen wie Nordic Walking und vieles mehr teilzunehmen. Durch ein attraktives Bühnenprogramm wurde die Messe umrahmt.

 

Vor Beginn hatten wir jedoch unerwartet einige organisatorische Hürden zu überwinden. Der Hochzeitstermin unserer Tochter musste verschoben werden und fand zeitgleich zur Eröffnung statt. Bekanntlich kommt es immer anders als man denkt, aus diesem Grund trafen sich alle Helfer kurzfristig zu einer „Lagebesprechung“ – die Standbesetzung und Arbeitsteilung wurde festgelegt.

Die Ehrenamtlichen bei der Lagebesprechung
von links nach rechts Bernd, Martina, Rainer

Zu diesem Treffen gesellte sich auch Bernd Schmelter, der in der Schnecke einen Bericht von uns gelesen hatte und Mitglied der CI-SHG Münster war. Bernd und Rainer sind ehemalige Schulkollegen aus der Schwerhörigenschule und haben sich so nach 35 Jahren erstmalig wiedergetroffen.

 

Dank Ewald Ester – Initiator der CI-SHG Münster, war es ohne Unstimmigkeiten möglich, dass Bernd jetzt in der CI-SHG Hamm ist, da die räumliche Nähe eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Seinerzeit haben wir auf dem Reflexionstreffen zum 1. Deutschen CI-Tag mit Ewald die Absprache getroffen, das es zwischen Hamm und Münster keine Kontroversen gibt, wenn Gruppenmitglieder wechseln wollen. Eine kurze Info untereinander schafft dann Gewissheit und vermeidet Differenzen, wenn ein Wechsel geplant ist. An dieser Stelle nochmals einen lieben Gruß an Ewald Ester.

Einen Tag vor der Eröffnung fuhr dann Sigrid Gräser aus unser Gruppe mit einem großen Anhänger vor, hat mit uns alle Materialien eingeladen und sie am Freitagmorgen in den Maxipark gebracht. Der Standaufbau und die –besetzung klappte komplikationslos und mit Brigitte Jeismann, Anneliese und Ferdinand Keggenhoff, Anja Kehring, Monika Lahrmann, Heinz Lemmen und Elisabeth Wischniewski hatten wir am Eröffnungstag eine repräsentative Abordnung und kompetente Ansprechpartner vor Ort. Ohne ihren Einsatz hätte sich das Projekt äußerst schwierig gestaltet und stelle eine brillante Lösung dar. Wir konnten unbeschwert und glücklich die Hochzeit unserer Tochter genießen und zu einem unvergesslichen Ereignis werden lassen.

Messeimpressionen

Es ist uns gelungen, die Besuchern an allen drei Tagen für das Thema „Taub und trotzdem hören“ zu sensibilisieren, auf das Thema Cochlear Implant aufmerksam zu machen, Informationen beratend an die Hand sowie einen Gesamtüberblick unserer Selbsthilfeaktivitäten zu geben.

 

Die Medienwand CIV NRW e.V., die uns freundlicherweise durch dessen Schriftführer Heinz Lemmen zur Verfügung gestellt wurde, ließ gleich von weitem erkennen, welches Thema bei uns angesprochen wurde - „Taub und trotzdem hören“.

Ohren auf!!
Martina Lichte-Wichmann und Georg Wichmann

Eine exzellente Computer-Präsentation über unsere Selbsthilfegruppe, die von Martina Lichte-Wichmann und Georg Wichmann erstellt wurde, lief kontinuierlich an unserem Stand und gab somit informative Einblicke in die Gruppenarbeit.

 

Der ebenfalls von den beiden erarbeitete Vortrag „Was ist ein CI? Wie funktioniert ein CI?“ wurde sehr anschaulich im Forum II des Maximiliansaals vorgestellt. Unter Einbeziehung der eigenen Krankengeschichte vom Hörverlust und dem Weg zum CI gab Martina Lichte-Wichmann innerhalb der Präsentation einen ausdrucksvollen Überblick über Schicksal, Technologie und Chancen.

Das Buffet ist angerichtet!

Aufklärungsarbeit, Information - natürlich sollte auch der Spaß und das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. An Stehtischen konnten sich unsere Besucher mit Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken stärken. Das Glücksrad sorgte nicht nur bei Kindern für Spiel und Spannung. Insgesamt 11 Kuchen, drei Pfund Kaffee und knapp zwei Kisten Kaltgetränke wurden dabei verbraucht. Der Erlös fütterte das hungrige Sparschwein. Ohne die vielen fleißigen Helfer aus unserer Gruppe, die vor, während und nach der Messe tatkräftig wirkten und unterstützten, wäre dieses positive Ergebnis nicht möglich gewesen.

 

Bodo und Dani Schlenker überraschte unsere Standbesetzung gegen Mittag mit der Spontanaktion „Tischlein-deck-Dich“, sehr zur Freude aller Nutznießer!!. Jetzt wurde auch klar, warum die beiden mit dem vollbepackten Bollerwagen morgens bei uns eintrudelten.

Ein Presseaufruf verfehlte die Wirkung nicht!

Parallel zur Messe haben wir eine Hörgerätesammelaktion durchgeführt und somit das von der Baumrainklinik initiierte Projekt „Hörgeräte für Jordanien“ unterstützt. Die Plakate wurden mit freundlicher Unterstützung von Andreas Witteler »erdacht & gemacht«, Iserlohn, www.erdacht.de von Anja Kehring professionell entworfen, die Großdruckerei Griebsch und Rochol aus Hamm sponserte den Druck. Insgesamt 30 Geräte konnten wir entgegennehmen und werden sie entsprechend weiterleiten.

Ehepaar Keggenhoff bei der Kommunikation!

Rückblickend können wir sagen: Der Einsatz hat sich gelohnt. Danke sagen wir allen Beteiligten, sind hoch motiviert mit der Gruppe zu arbeiten und stolz auf das gezeigte Engagement aller Mitwirkenden.

 

Aufgrund der guten Resonanz wird bereits jetzt über eine Neuauflage der Gesundheitsmesse nachgedacht – vielleicht sogar ab sofort jedes Jahr!

 

Teilnehmende Selbsthilfegruppen waren:

Abstinenzforum, ADS Selbsthilfegruppe Hamm-Osten, ADS Selbsthilfegruppe Hamm Bockum-Hövel, Aids-Hilfe, Alleinerziehende offener Treff, Alzheimer-Ethik, Alzheimer-Selbsthilfegruppe, Arbeitsgemeinschaft gegen die Suchtgefahren (mit den Selbsthilfegruppen: Freunde der Abstinenz, Freundeskreis Hamm Bockum-Hövel, Guttempler Gemeinschaften, Kreuzbund), Asbestose Selbsthilfegruppe, Deutsche ILCO, Deutsche Parkinson Vereinigung, Deutsche Rheuma-Liga, „die Sternenkinder“- Selbsthilfegruppe bei Fehl- Früh- und Totgeburt, Gesprächskreis Pflegende Angehörige Hamm Bockum-Hövel, Kneipp-Verein, Narcotic Anonymous, Prostata Selbsthilfe, Selbsthilfe Unruhige Beine, Selbsthilfegruppe Ess-Sucht, Selbsthilfegruppe „Gesundes Leben -selbst Gestalten“, Selbsthilfegruppe Lungenemphysem- COPD, Sozialverband Deutschland, Sozialverband VdK, Verein Behinderte und Freunde, Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte, Verein zur Selbsthilfe behinderter und nicht behinderter türkischer Mitbürger, Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankte Selbsthilfegruppe, Zuckerhut Diabetes Förderverein, Cochlear Implant Selbsthilfegruppe Hamm sowie die Selbsthilfe Kontaktstelle im Paritätischen für die Stadt Hamm.

 

2006-06

Rainer und Marlies Wulf

Das CI macht satt!

Die Gewinnübergabe durch eine Mitarbeiterin der Firma Geers

 
Mit dem CI kann man nicht nur hören, nein – man wird auch damit satt.

Wie das? – werden viele fragen. Das will ich kurz schildern.

 

Als Initiator der CI-SHG Hamm sind wir ständig auf der Suche nach Informationsquellen. Da war es für uns ein Selbstverständnis, der Einladung zum 1. Dortmunder Tag des Hörens am 27. November 2005 zu folgen. Zu dieser Veranstaltung hatte Prof. Dr. Thomas Deitmer, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-, Halschirurgie und plastische Operationen, Klinikum Dortmund, eingeladen.

 

Betroffene und Interessierte konnten sich detailliert über die verschiedenen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und technischen Neuentwicklungen informieren. Partner aus der Hörakustikbranche, dazu gehörten GEERS Hörakustik, Cochlear GmbH sowie Entific Medical Systems, präsentierten sich an Informationsständen und standen Rede und Antwort.

 

Während dieser Veranstaltung haben wir auch den Infostand von Hörakustiker Geers aufgesucht. Neben Informationen und kompetenter Beratung – wir suchten eine mobile Ringschleife für unsere CI-SHG Hamm – erwartete uns auch ein Gewinnspiel. Sechs gleichaussehende undurchsichtige Dosen mit unterschiedlichen Inhalten – Erbsen, Hafer, Nudeln, Reis, Sand und Zucker – sollten durch Schütteln am Geräusch erkannt und den Inhalten zugeordnet werden.

 

Dies spornte mich als CI-Träger natürlich besonders an. Dank meiner guten Hörerfolge mit dem Clarion CII PSP, Sprachverarbeitungsstrategie HiRes, sind meine Frau und ich zu den gleichen Ergebnissen gekommen und haben an dem Gewinnspiel teilgenommen. Mit Erfolg – wie sich später herausstellte.

 

In dem Glückwunschschreiben wurden wir gebeten, uns den Preis in der Geschäftsstelle Münster abzuholen. Mit unserem Navigationssystem, das ich ebenfalls mit meinem CI exzellent verstehe, haben wir das Fachgeschäft Geers problemlos gefunden und konnten unseren Gewinn „eine Schlemmerkiste“ in Empfang nehmen.

 

Somit hat sich die anfangs von mir behauptete Tatsache „Das CI macht satt“ bewahrheitet!

 

2006-02

Rainer Wulf

Gründung der Cochlear Implant Selbsthilfegruppe Hamm

Initiatoren Rainer und Marlies Wulf

Der Gedanke, eine Selbsthilfegruppe für CI-Träger in unserer Region zu gründen, schlummerte schon seit geraumer Zeit in uns. Die Teilnahme an dem Reflexionstreffen zum 1. Deutschen CI-Tag 2005 im September 2005 ließ uns dies in Angriff nehmen.

 

Über das Integrationsamt der Stadt Hamm wurden wir an die Leiterin der Selbsthilfe Kontaktstelle im PARITÄTISCHEN, Frau Monika Dirks, verwiesen. Hilfreich und informativ erwies sich ein persönlicher Erstkontakt mit der Geschäftsstellenleiterin und brachte den Stein ins Rollen. Broschüren wurden uns an die Hand gegeben, Fragen beantwortet, Ideen verwirklicht, drei Termine für die ersten Gründungstreffen abgesprochen – idealer weise hatten wir die Möglichkeit, diese Treffen in dem Besprechungszimmer durchzuführen -.

 

In Koordination mit Frau Dirks klappte Planung und Umsetzung hervorragend. Presseinformationen wurden abgestimmt, Flyer erstellt und anhand von Verteilerlisten in den Versand gebracht. Zudem erhielten wir Teilnahmezusagen von Vertretern der DCIG, HCIG sowie eines ortsansässigen Akustikers. Die Presse berichtete über unser Vorhaben mit dem Titel „Taub, aber trotzdem hören“ und das Telefon stand nicht still. Selbst der Lokalsender Radio Lippewelle Hamm ging mit einem Hinweis auf unsere Gruppe auf Sendung.

 

Je näher der Termin des ersten Treffens kam, umso intensiver wurde dieses Kribbeln im Bauch – wie wird das Thema angenommen, wie viel Leute werden kommen, besteht überhaupt Interesse? Die Blase mit Fragen in unseren Köpfen beschäftigte uns oft bis in die Nacht hinein, verschwand aber recht schnell und legte Kräfte frei für unsere positive Motivation, etwas zu bewegen.

 

Dank unserer intakten Dorfgemeinschaft und der allgemeinen sozialen Ader konnten wir drei Bäcker kurz vor dem Gründungstreffen dazu bewegen, uns Kuchen für das Gründungstreffen zu sponsern, ein Floristikladen sorgte für den Blumenschmuck. Es war erstaunlich, wie groß das Interesse war und die Glückwünsche für gutes Gelingen wurden uns mit auf den Weg gegeben. Ein ganz besonderes Dankeschön geht an die Firma Scheurich, die uns für unsere Öffentlichkeitsarbeit großzügig gesponsert hat.

 

12.11.05, 7.30 Uhr, der lang ersehnte Tag begann. Nach einem gemeinsamen Frühstück packten wir unser Information, Broschüren, „die Schnecke“, „CI-Impluse“, gesponserte Blöcke und Stifte zusammen, holten Kuchen und Blumen ab und machten uns gegen 11.20 Uhr auf den Weg zum Bahnhof. Frau Maryanne Becker, 1. Vorsitzende der HCIG, hatte ihr Kommen zugesagt und wir holten sie vom Bahnhof ab. Wir finden es eine großartige Sache, dass Maryanne selbst den Weg von Berlin nach Hamm an einem Samstag nicht scheute, um uns hilfreich zur Seite zu stehen. Da wir noch nicht im Besitz einer Ringschleife sind, hat sie sich spontan dazu bereit erklärt, als Schriftdolmetscherin zu fungieren. Mit Beamer und Laptop im Rucksack konnten wir sie gegen 11.50 Uhr am Bahnsteig begrüßen. Auf der Fahrt fand rege Kommunikation statt, die uns näher brachte und ein freundschaftliches Verhältnis beginnen ließ.

 

Frau Monika Dirks erwartete uns schon in den Räumen des ehemaligen Zollamtes, in die die Selbsthilfekontaktstelle erst kürzlich umgezogen ist. Material wurde ausgeladen, Tische gerückt, Stühle gestellt, Infotische aufgebaut, Technik montiert, Bewirtungstische gedeckt - und wieder dieses Kribbeln im Bauch. Lohnt sich unser Einsatz, werden Interessierte kommen??

 

14.00 – 16.30 Uhr war als Zeitrahmen geplant. Bereits 20 Minuten vor Beginn trafen die Ersten ein. Insgesamt 29 Teilnehmer konnten wir verzeichnen – selbst betroffene CI-Träger, hochgradig schwerhörige Interessierte, Ehepartner – das Spektrum weit gestreut.

 

Nachdem wir als Initiatoren über unsere Bewegungsgründe gesprochen und Begrüßungsworte an die Anwesenden gerichtet hatten, stellte Frau Dirks Ihre Funktion als Leiterin und Schwerpunkt ihrer Arbeit vor. Sie sei gerne bereit, unserer Gruppe Starthilfe zu geben und hoffe, dass sich unsere Gruppe auf Dauer trifft, wünschte eine harmonische Zusammenarbeit und gutes Gelingen. Damit übergab sie das Mikro Herrn Heinz Lemmen, Schriftführer des CIV NRW e. V. . Herr Lemmen berichtete als Vertreter der DCIG über die Arbeit der DCIG, HCIG und CIV NRW. Quintessens seiner Ausführungen war die Feststellung, dass er es als begrüßenswert ansieht, dass es immer wieder Menschen gibt, die helfen, als behinderter Mensch zurecht zu kommen.

 

Zum Abschluss des offiziellen Teils – aber nicht minder wichtig – ergriff Frau Becker das Wort. Neben dem schwierigen Part der Schriftdolmetscherin – an dieser Stelle nochmals ein ganz besonderes DANKESCHÖN an Maryanne – präsentierte sie eine PowerPointPräsentation über die HCIG. Danach gab Sie das Mikro an uns zurück und wir baten die Teilnehmer um eine Vorstellrunde.

Während dieser Runde lernten wir die Anwesenden näher kennen und erahnten durch das Gesprochene ansatzweise die unterschiedlichen Schicksale.

 

Die wohlverdiente Kaffeepause und der rege Austausch untereinander erfolgte mit einer großen Geräuschkulisse, wobei unser Leitthema „Taub und trotzdem hören“ voll griff. Notizen wurden gemacht, Informationsmaterial

mitgenommen, persönliche Probleme angeschnitten und ansatzweise besprochen, Hilfestellung im Einzelfall angeboten und konkretisiert.

 

Der letzte Teil des ersten Treffens bestand hauptsächlich aus Fragen und Antworten. Hierbei war sehr gut zu vernehmen, wie wichtig es ist, Selbsthilfegruppen – in unserem Fall Cochlear Implant - flächendeckend bundesweit zu führen.

 

Gegen 16.30 Uhr wurde offiziell das erste Treffen beendet. Ein allgemeiner Aufbruch war zu spüren, aber es dauerte noch eine geraume Zeit, bis die letzten Teilnehmer die Geschäftsstelle verließen. Zurück blieb ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit und ein kleines Chaos, dass noch bewältigt werden sollte. Gemeinsam mit Frau Dirks haben wir wieder alles an seinen ursprünglichen Platz gebracht, die letzten Krümel beseitigt und die gespülten Gedecke wieder in die Schränke gestellt. Das Wir-Gefühl war perfekt, als Frau Dirks uns in die Arme nahm mit den Worten „geschafft“. Schön, dass es bei öffentlichen Institutionen noch solch herzliche Menschen gibt, die gerne auch Kompromisse eingehen.

 

Frau Maryanne Becker wurde zum Hauptbahnhof gebracht, das Material sorgfältig verladen – sehr wichtig für künftige Treffen – und wir sind erschöpft aber glücklich in unseren eigenen vier Wänden gegen 19.30 Uhr angekommen, um zwischen uns beiden ausgiebig den Tag Revue passieren zu lassen.

 

Am 19.11.2005 sind wir der Einladung von Herrn Ewald Ester, Initiator der SHG Münster, gefolgt. Sinn und Zwecks dieses Besuchs war, vor Ort sich mit Ewald – auch ihn haben wir bei dem Reflexionstreffen in Bad Hersfeld kennen und schätzen gelernt – auszutauschen. Sein Konzept, die Gruppe zu leiten, ist mit unserem identisch und bestätigt uns in der Vorgehensweise unserer Arbeit.

 

Durch unsere Teilnahme am 1. Dortmunder Tag des Hörens am 27.11.05 haben wir wertvolle Erkenntnisse mitnehmen können, die wiederum der Gruppe zugute kommen und das Engagement in keinster Weise in Frage gestellt. Präsent sein ist aus unserer Sicht sehr wichtig und sollte vielfältig genutzt werden. Zusammen sind wir stark, Gemeinsamkeit verbindet.

 

Mittlerweile haben wir bei unserem zweiten Treffen am 03.12.05 erneut zu Interessierten Kontakt aufnehmen können und die tolle Erkenntnis erfahren dürfen, dass sich Gruppenteilnehmer hervorragend in die ehrenamtliche Tätigkeit einbringen. Ein ganz liebes Dankeschön an dieser Stelle an Frau Anja Kehring, Mediendesignerin, die uns Logo, Visitenkarten und Briefbogen auf ehrenamtlicher Basis entworfen und verwirkt hat. Am 06.12.05 wurde Anja an der MHH linksseitig erfolgreich mit einem Cochlear Implant versorgt, für uns eine Selbstverständlichkeit, sie dort zu besuchen. Wir standen per SMS in Kontakt und sie hat sich gefreut, bei ihrem Aufenthalt in der MHH bekannte Gesichter zu sehen.

 

Überraschenderweise haben wir dort erfahren, dass sich Frau Maryanne Becker zeitgleich dort stationär aufhält. Ihre Voruntersuchung zum 2. CI war positiv abgeschlossen und sie hat am 13.12.05 erfolgreich ihr 2. CI bekommen. Die Wundheilung verlief gut und sie konnte bereits nach einer Woche wieder nach Hause fahren. Von hier noch einmal gute Besserung und toi, toi, toi.

 

Das zweite Gruppentreffen ohne den Service „Schriftdolmetscher“ gestaltete sich für einige TN recht schwierig, die Kommunikation war nur begrenzt möglich. Unser Gruppenmitglied Frau Miriam Padberg bot daraufhin für künftige Treffen ihre Mithilfe an, sie sei diesbezüglich kein Profi, aber des schnellen Schreibens mächtig. Sie will es versuchen. Sie übernimmt den Part der Schriftdolmetscherin und bringt Laptop mit. Frau Monika Dirks, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle Hamm, gab uns den hilfreichen Tipp, dass für das Leihen von Technik das Medienzentrum Hamm Ansprechpartner sei. Ein Anruf genügte und es waren wieder neue Kontakte geknüpft. Als ich mich auf der entsprechenden Homepage eingeloggt hatte, stellte ich fest, dass das Medienzentrum seinerzeit Stadtbildstelle Hamm hieß, bei der ich für ½ Jahr im Jahr 1978 aushilfsweise gearbeitet habe – zwei ehemalige Kollegen habe ich anhand von Fotos wieder erkannt. So klein ist die Welt.

 

Durch die rege Kommunikation haben wir auch Nutzen davontragen können. Uns war noch nichts über die neue Sprachverarbeitungsstrategie - das HiRes® Bionic Ear System® - bekannt. Ein Termin beim HZH war kurzfristig vereinbart und das Programm schnell aufgespielt. Anfangs war es für Rainer eine starke Umstellung und er muss dieses Hören erst wieder neu lernen. Klar, dass Verlustängste hierbei eine nicht unwesentliche Rolle spielen, umso glücklicher war ich, das er sich durchgerungen hat und das Üben gute Erfolge aufzeigt. Ich quake mal wieder wie „Mickey Maus“, aber Musik und Fernsehen sind schon viel klangvoller - wie Stereo -. Nachrichten unterwegs im Auto sind mit großer Konzentration – schließlich muss man auch noch auf den Verkehr achten - schon sehr gut verständlich.

 

Schlussfolgerung: die Gruppe lebt , das war gut zu spüren. Schon bei diesem ersten Treffen war uns klar, es wird klappen, unsere CI-SHG Hamm wird Bestand haben und unsere anfänglichen Bedenken sind gegenstandslos bei Seite geschoben.

 

Schön wäre es, wenn sich durch unsere Ausführungen noch ein paar Betroffene angesprochen fühlen und als Initiatoren neuer CI-SHG aktiv werden.

 

2005-12

Rainer und Marlies Wulf

High-Tech im Kopf - Westfälischer Anzeiger, Hamm

Das Cochlear Implant

GESUNDHEIT Dank "Cochlear-Implantat" kann Rainer Wulf wieder hören. 100 000 Mark teurer Sprachprozessor wurde in Amerika entwickelt

Von Alexander Schäfer

RHYNERN • Rainer Wulf lebt wieder in der "normalen" Welt. Er hört den Kater Charly maunzen, den Einbaukühlschrank surren und den Trockner im Keller summen. Das war nicht immer so. Denn in seinem siebten Lebensmonat zog sich Rainer Wulf eine eitrige Meningitis zu und war danach linksseitig schwerhörig. Im Alter von sechs Jahren bekam er ein Hörgerät, aber die Schwerhörigkeit verschlimmerte sich und als 30-Jähriger musste auch das rechte Ohr versorgt werden. Es folgten stressbedingt Tinnitus und Hörsturz. Rainer Wulf war ertaubt. Ein hoffnungsloser Fall für Ärzte und Krankenkassen, doch dann erfuhr der heute 48-Jährige im August 2000 zum ersten Mal vom Wunderding "Cochlear-Implantat".

 

"Wenn ich damals nicht zur Reha nach Bad Berleburg gefahren wäre, dann könnte ich heute wahrscheinlich noch nichts hören", erinnert sich der gelernte Lackierer an die entscheidenden Tage in seinem Leben zurück. In der Baumrainklinik traf Wulf den Chefarzt der Abteilung für Tinnitus-Betroffene, Dr. Roland Zeh. Und der wusste, im Gegensatz zu vielen anderen seiner Kollegen, endlich eine Lösung für Wulfs Problem.

 

"Wir setzen ihnen ein Cochlear-Implantat ein", erklärte der Chefarzt und informierte Rainer Wulf und Ehefrau Marlies in einem eineinhalbstündigen Gespräch über das in Amerika entwickelte High-Tech-Hörgerät. Das CI, so die Abkürzung, besteht aus zwei Teilen, einem inneren, nicht sichtbaren Teil, dem Implantat und einem äußeren, sichtbaren Teil, dem Sprachprozessor, der etwas kleiner als ein Walkman ist und am Gürtel getragen wird. Am Implantat befinden sich Elektroden, die operativ in die Hörschnecke eingeführt werden. "Da überlegt man natürlich erst einmal, wenn einem der Kopf aufgemeißelt werden soll", kamen Ehefrau Marlies auch Zweifel. Und als sich nach der fünfstündigen Operation bei Rainer Wulf sehr starke Kopfschmerzen einstellten und der Sprachprozessor, der durch das Kabel zum Kopfstück, das mittels Magneten mit dem Chip im Kopf verbunden ist, die Stimme von Ehefrau Marlies nur in "Micky Maus-Tonlage" übersetzte, da schienen sich die Zweifel zu bestätigen.

 

Doch die Kopfschmerzen nach der OP in der Medizinischen Hochschule in Hannover verschwanden und das Hörvermögen mit dem CI wurde besser. "Wir gingen durch einen Baumarkt und plötzlich sagte mein Mann: ´Das ist doch unser Lied´", erzählt Marlies. Und tatsächlich: Rainer Wulf hörte trotz des Stimmengewirrs im stark besuchten Baumarkt die Musik von ABBA. "Das ist ein tolles Gefühl, wenn du auf einmal morgens wieder die Vögel zwitschern hören kannst", freute sich Rainer Wulf über einen weiteren Fortschritt. Und auch Tochter Mabel, die in Gießen studiert, war total happy, mit dem Papa telefonieren zu können. Denn der Sprachcomputer kann auch mit Telefon und Fernseher verbunden werden. Und wenn Sohnemann Kevin die Musik im Zimmer aufdreht, bekommt das der Vater auch wieder mit.

 

Das CI kostet mit Operation, Nachsorge und Logopäden zirka 100 000 Mark. Bezahlt haben es nach langem Zaudern die Krankenkasse und die Hauptfürsorgestelle. "Was sind schon 100 000 Mark im Vergleich zu einem Gehör", meint Rainer Wulf. Der Eintritt in die normale Welt ist allemal soviel wert.

[09.11.2001]